02.09.2026
Schuldner- und Insolvenzberatung in den Berliner Wahlprogrammen 2026
Wahlen AGH 2026
Im Vorfeld der Berliner Abgeordnetenhauswahl hat die LAG SIB Berlin die Wahlprogramme der Parteien daraufhin ausgewertet, welchen Stellenwert die Schuldner- und Insolvenzberatung in ihren politischen Vorhaben einnimmt. Dabei interessierte uns nicht nur, ob unser Arbeitsfeld erwähnt wird, sondern vor allem, welche Vorstellungen zur zukünftigen Entwicklung und Stärkung der Schuldner- und Insolvenzberatung formuliert werden.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Die Schuldner- und Insolvenzberatung findet in mehreren Wahlprogrammen ausdrücklich Erwähnung. Themen wie Überschuldung, Energieschulden, Armutsbekämpfung, Wohnungsverlustprävention und der Zugang zu unabhängiger Beratung haben sichtbar an politischer Aufmerksamkeit gewonnen. Das ist keineswegs selbstverständlich und zeigt, dass die Anliegen der sozialen Schuldner- und Insolvenzberatung im politischen Raum angekommen sind.
Parteien mit konkreten Aussagen zur Stärkung der Schuldner- und Insolvenzberatung
Mehrere Parteien gehen über eine bloße Erwähnung hinaus und formulieren konkrete politische Absichten.
SPD Berlin
Im Kapitel „Soziales Berlin“ kündigt die SPD an:
„Wir bauen die unabhängige Sozial-, Schuldner- und Insolvenzberatung aus.“
Damit enthält das Programm die deutlichste und unmittelbarste Aussage zur Weiterentwicklung unserer Arbeit. Die Ankündigung eines Ausbaus weckt die Erwartung, dass Schuldner- und Insolvenzberatung künftig personell und finanziell gestärkt wird.
Quelle: SPD Berlin, Wahlprogramm zur Abgeordnetenhauswahl 2026, Kapitel „Soziales Berlin“, S. 50/51.
Bündnis 90/Die Grünen Berlin
Die Grünen erklären:
„Zur gezielten Armutsbekämpfung wollen wir eine Landeskommission gegen Altersarmut einrichten und die Schuldner*innenberatung stärken und landesweit verankern.“
Darüber hinaus sollen niedrigschwellige Beratungsstrukturen stärker miteinander verzahnt werden. Die Schuldnerberatung wird damit als wichtiges Instrument sozialer Teilhabe und Armutsprävention verstanden.
Quelle: Wahlprogramm Bündnis 90/Die Grünen Berlin 2026, Kapitel 2.5 „Soziales Berlin“, S. 71 und 74.
CDU Berlin
Die CDU formuliert im Zusammenhang mit der Verhinderung von Wohnungslosigkeit:
„Deshalb wollen wir Schuldner- und Sozialberatungen ausbauen, Prävention ermöglichen, behördliche Entscheidungszeiten bei Mietschuldenübernahmen verkürzen und für schnelle, mehrsprachige und niedrigschwellige Hilfsangebote sorgen.“
Die Schuldnerberatung wird hier ausdrücklich als Instrument der Prävention und der Sicherung von Wohnraum verstanden. Auch die CDU verbindet ihre Aussage mit einer konkreten Ausbauperspektive.
Quelle: CDU Berlin, Regierungsprogramm 2026–2031, S. 103.
Anerkennung der Bedeutung der Schuldner- und Insolvenzberatung
Die Linke Berlin
Die Linke erwähnt die Schuldner- und Insolvenzberatung mehrfach. Sie beschreibt sie als Bestandteil der sozialen Infrastruktur, verweist auf ihre Bedeutung im Rahmen der Clearingstellen und nennt sie im Zusammenhang mit Hilfen für wohnungslose Menschen.
Damit wird die gesellschaftliche Bedeutung der Schuldner- und Insolvenzberatung ausdrücklich anerkannt. Im Unterschied zu den Programmen von SPD, Grünen und CDU finden sich jedoch keine konkreten Aussagen zu einem Ausbau, einer strukturellen Stärkung oder einer langfristigen Absicherung der Beratungsangebote.
Quellen: Die Linke Berlin, Wahlprogramm 2026, Kapitel „Soziales und Inklusion“, S. 113, 117 und 120.
Keine ausdrücklichen Aussagen
In den von uns ausgewerteten Wahlprogrammen von FDP und AfD konnten wir keine ausdrücklichen Aussagen zur Schuldner- oder Insolvenzberatung finden.
Fazit
Für die Schuldner- und Insolvenzberatung ergibt sich insgesamt ein positives Bild. Mehrere Parteien greifen unsere Themen auf und erkennen die Bedeutung unabhängiger Beratung für Armutsbekämpfung, Wohnraumsicherung und soziale Teilhabe an. Besonders hervorzuheben ist, dass SPD, Bündnis 90/Die Grünen und CDU nicht nur die Bedeutung der Beratungsangebote beschreiben, sondern konkrete Absichten zur Stärkung beziehungsweise zum Ausbau formulieren.
Für unsere Interessenvertretung ist dies eine gute Ausgangslage für die Gespräche nach der Wahl. Unabhängig von den konkreten Mehrheitsverhältnissen werden wir die künftigen Regierungs- und Oppositionsfraktionen an ihren programmatischen Aussagen messen. Unsere Erwartung bleibt eine verlässliche Finanzierung, eine bedarfsgerechte personelle Ausstattung sowie die langfristige Absicherung einer unabhängigen Schuldner- und Insolvenzberatung in Berlin. Nur so kann die Unterstützung für überschuldete Menschen dauerhaft gewährleistet werden.
Vorstand LAG SIB Berlin
Berlin, 14.08.2026